Personen aller Generationen berichten zunehmend von Schwierigkeiten beim Herstellen neuer sozialer Kontakte. Die so entstehende Isolation sorgt bei vielen Betroffenen für depressive Verstimmungen und kann sich negativ auf die Lebenserwartung auswirken. Mit einem landesweiten und besonders niedrigschwelligen Projekt möchte die Regierung Thüringens Einsamkeit gezielter bekämpfen und insbesondere ältere Menschen dabei unterstützen, miteinander ins Gespräch zu kommen.
Das 2021 gestartete Projekt AGATHE richtet sich hauptsächlich an Senior*innen und alleinlebende Menschen in Thüringen. Es soll die gesellschaftliche Teilhabe älterer Menschen in dem ostdeutschen Bundesland fördern und arbeitet eng mit thematisch verwandten Institutionen wie Beratungsstellen und Pflegestützpunkten zusammen. Aktuell sind 74 Mitarbeitende aktiv, die Senior*innen an gemeinschaftsstärkende Angebote verweisen und Ratschläge zur Bewältigung von Einsamkeit geben – auch Hausbesuche sind möglich. Initiiert wurde das Projekt durch das Thüringer Ministerium für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie, das allein in diesem Jahr mehrere Millionen Euro in AGATHE investierte.
Momentan ist ein Ausbau des Projekts vorgesehen, indem sich möglichst viele Landkreise und Kommunen in Thüringen daran beteiligen. Ebenfalls wurde vor wenigen Tagen in der Landeshauptstadt Erfurt die Sommertour der AGATHE-Plauderbank begonnen. Ihr Ziel ist es, zufällige Begegnungen und bestenfalls neue Bekanntschaften unter Senior*innen zu fördern. Wie der Name bereits vermuten lässt, können auf der Bank nach Belieben Gespräche geführt werden, sie wird jedoch auch von Fachkräften und Mitgliedern kooperierender Organisationen betreut. Diese können Interessierte vor Ort beraten und auf weiterführende Angebote hinweisen.
In den kommenden Wochen wird die AGATHE-Plauderbank in ganz Thüringen unterwegs sein, um älteren Menschen einen Raum zur Vernetzung zu bieten. In insgesamt 16 Orten wird die Bank für jeweils einen Tag aufgestellt, ehe die Tour am 29. September in Jena endet. Gleichzeitig sollen alle alleinlebenden Personen ab 64 Jahren in den jeweiligen Kommunen per Post Informationen zu AGATHE erhalten.
In einem kurzen Video (auf der AGATHE-Website zu finden) wird das Projekt vorgestellt, indem sowohl von Einsamkeit Betroffene als auch Mitarbeitende zu Wort kommen. Die Klient*innen berichten, dass AGATHE ihnen sowohl alltägliche Kompetenzen näherbringen als auch ihr soziales Umfeld erweitern konnte.
„Wir als AGATHE-Fachkräfte, wir kommen alle aus einem sozialen, Gesundheits- oder Pflegeberuf und bekommen dann alle auch nochmal eine vertiefende Qualifikation“, sagt AGATHE-Berater Stefan Schröder aus dem Landkreis Gotha. Darüber hinaus bezeichnet er die Initiative als „effektivste Lösung, um Vereinsamung zu verhindern und Älteren ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen“.

