Die voraussichtlich weiter steigende Zahl der Menschen mit Demenz in Deutschland stellt nicht nur Pflegeeinrichtungen, sondern auch die Kommunal-, Landes- und Bundespolitik vor Herausforderungen. Insbesondere in fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung sind häufig umfangreiche Unterstützungsmaßnahmen erforderlich, die den Betroffenen einerseits die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen und andererseits ihre Sicherheit gewährleisten sollen.
Schätzungen der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft zufolge leben gegenwärtig etwa 1,8 Millionen Menschen mit Demenz in Deutschland – dies entspricht annähernd der Population Hamburgs. Es ist zu erwarten, dass innerhalb der nächsten 25 Jahre 500.000 bis 800.000 weitere Erkrankte hinzukommen werden. Statistisch betrachtet ist Demenz in Ostdeutschland stärker verbreitet als im Westen, da der Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung in den ostdeutschen Bundesländern durchschnittlich höher ist.
Im Herbst 2020 hatte die Bundesregierung unter Angela Merkel (CDU) die Nationale Demenzstrategie auf den Weg gebracht. Dabei handelt es sich um ein Bündel von Einzelmaßnahmen, an deren Umsetzung sich zahlreiche Initiativen, Vereine, Organisationen und weitere Akteur*innen beteiligen. Ziel ist es, Menschen mit Demenz ein würdevolles Leben mit gesellschaftlicher Teilhabe zu ermöglichen und ihre Angehörigen zu entlasten.
Wie kürzlich bekannt gegeben wurde, wird die Nationale Demenzstrategie bis 2027 verlängert, was die BAGSO ausdrücklich begrüßte. Gleichzeitig betonte sie die Bedeutung einer aktiven Unterstützung von Menschen mit Demenz, die weit über die medizinische Versorgung hinausgehe. Die Selbstständigkeit und Handlungsfähigkeit der Betroffenen müsse so lange wie möglich erhalten bleiben. Auch die Bedeutung lokaler Demenznetzwerke wurde hervorgehoben. Diese bieten an zahlreichen Standorten in Deutschland Beratung für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen an und vermitteln bei Bedarf an entsprechende Angebote. Häufig arbeiten sie dabei mit Kooperationspartner*innen zusammen, die unter anderem kulturelle, sportliche oder kreative Aktivitäten ermöglichen.
Einen weiteren Schritt zur Verbesserung der Unterstützung von Menschen mit Demenz hat nun die hessische Landesregierung unternommen. Das Hessische Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege berichtete Mitte September über den Start der neuen Landesfachstelle für Menschen mit Demenz. Sie soll als zentrale Anlaufstelle für die Vernetzung bestehender Angebote in Hessen dienen und durch ihre Netzwerkarbeit dazu beitragen, Unterstützungs- und Beratungsangebote besser zugänglich und übersichtlicher zu gestalten. Vergleichbare Anlaufstellen zur Vernetzung von Organisationen und Vereinen, die sich für Menschen mit Demenz einsetzen, bestehen bereits in mehreren Bundesländern, unter anderem in Niedersachsen und Rheinland-Pfalz.
Sowohl die hessische Gesundheitsministerin Diana Stolz (CDU) als auch die BAGSO weisen auf die besonderen Herausforderungen hin, mit denen Menschen mit Demenz konfrontiert sind. Sie betonen das Recht und das Bedürfnis der Betroffenen, trotz ihrer Erkrankung weiterhin einen möglichst selbstbestimmten Alltag mit Freizeitaktivitäten und sozialen Kontakten zu gestalten. Hierfür brauche es auch angesichts steigender Erkrankungszahlen eine verlässliche Netzwerkarbeit, die Aufklärung leistet und Betroffene in einem unterstützenden, auf ihre Bedürfnisse abgestimmten Umfeld begleitet.

