Im Schnitt begeht alle 55 Minuten ein Mensch in Deutschland Suizid, was etwa 10.000 Suiziden pro Jahr entspricht. Da es sich jedoch um ein noch immer tabuisiertes Thema handelt, über das in der Gesellschaft nur teilweise aufgeklärt wird, werden die Absichten suizidaler Menschen nicht immer rechtzeitig erkannt. Mit zunehmendem Alter steigt zudem das Suizidrisiko, auch das männliche Geschlecht ist ein Risikofaktor.
Die Bundesregierung hat es sich zum Ziel gesetzt, die Suizidrate hierzulande langfristig zu senken. Dafür soll das Suizidpräventionsgesetz, das bereits von der Ampel-Regierung initiiert, aufgrund der vorgezogenen Neuwahlen jedoch nicht mehr umgesetzt wurde, nun final auf den Weg gebracht werden. Dieses soll mehr Raum für Aufklärung und Unterstützung von Betroffenen bieten. Auch die Ausweitung bereits bestehender Angebote wie etwa telefonischer Krisendienste ist Teil des Vorhabens. Im Mittelpunkt steht dabei die Einrichtung einer auf Suizidprävention spezialisierten Bundesfachstelle im Bundesgesundheitsministerium, welche die Angebote zentraler koordinieren und damit leichter zugänglich machen soll.
Zahlreiche Organisationen und Verbände haben sich bereits zu dem Gesetzentwurf geäußert, darunter auch die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO). In einer ersten Pressemitteilung fiel das Fazit der BAGSO bereits überwiegend positiv aus. Als besonders erfreulich wurde hervorgehoben, dass die Bundesregierung Senior*innen als wichtige Zielgruppe des Suizidpräventionsgesetzes berücksichtigt.
Den Referentenentwurf des Gesetzes vom 3. Juli 2026 hat die BAGSO zudem in einer längeren Stellungnahme bewertet. Darin wird begrüßt, dass die Bundesregierung die strukturellen Rahmenbedingungen verbessern möchte, um Betroffene gezielt ansprechen und unterstützen zu können, was in zahlreichen Fällen Menschenleben retten kann.
Die BAGSO fordert jedoch auch, den Gesundheitssektor hinsichtlich Suizidalität besser auszustatten. Dazu zählen psychiatrische Kliniken, aber auch Krankenhäuser zur medizinischen Versorgung nach einem Suizidversuch. Kritik übt die BAGSO zudem an Lücken in der rechtlichen Regelung des assistierten Suizids. Dieser solle weiterhin möglich, aber explizit geregelt sein. Darüber hinaus müsse differenzierter zwischen Menschen mit Suizidgedanken und akut suizidalen Menschen unterschieden werden.
Ferner unterstützt die BAGSO Maßnahmen zur Prävention, Aufklärung und Unterstützung Betroffener. Ebenso bedeutsam sei es allerdings, die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren und suizidale Menschen dazu zu ermutigen, Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen.
Ältere Menschen weisen aufgrund verschiedener, im höheren Alter häufiger auftretender Risikofaktoren ein erhöhtes Suizidrisiko auf. Einsamkeit, Erkrankungen, Armut oder auch der Verlust nahestehender Menschen können dieses begünstigen. Gleichzeitig erreichen Aufklärungs- und Präventionsangebote ältere Menschen teilweise weniger gut als jüngere Generationen.
Hinweis: Wenn Sie Suizidgedanken haben, können Sie sich an die TelefonSeelsorge unter der 0800 1110111 wenden. Sie ist rund um die Uhr, kostenfrei und vertraulich erreichbar.

