Weiterlesen Der Wettbewerb wurde im vergangenen Frühjahr ausgerufen, um die Diversität des Alterns zu betonen und ein Zeichen gegen Altersdiskriminierung zu setzen. Die Teilnehmer*innen konnten dabei ihre Kreativität und ihr künstlerisches Talent nutzen, um Stereotype über ältere Menschen überspitzt darzustellen und auf die Missstände hinzuweisen, mit denen viele Senior*innen leben müssen. Dadurch sollen wiederum neue Altersbilder geschaffen werden. Alle eingereichten Karikaturen sind nun öffentlich auf der Website der BAGSO einsehbar. Sie sind alphabetisch nach den Namen der Zeichner*innen sortiert und können nach den vier Kategorien gefiltert werden: Bereits unmittelbar nach Einreichungsschluss wählte eine siebenköpfige Jury aus jeder Kategorie jeweils drei Sieger*innen aus. Die insgesamt zwölf Preisträger*innen werden allerdings erst bei der Preisverleihung am 8. Oktober in Berlin bekannt gegeben und erhalten dort persönlich ihr Preisgeld. Der Karikaturenwettbewerb folgte dem Grundgedanken, dass sich viele politische und gesellschaftliche Problemlagen der Gegenwart durch Satire besser vermitteln lassen. Dennoch handelt es sich im Kern um ein ernstes Thema, da Ageismus als Form der Diskriminierung älteren Menschen erheblich zusetzen kann. Aufgrund des Alters ungerecht behandelt oder körperlich und/oder verbal angegriffen zu werden, widerspricht der Menschenwürde.
Gesellschaftliches Leben
Viele Senior*innen erhalten unzureichende Rente – mehrere Risikofaktoren identifiziert
3. August 2026Weiterlesen Wie das Deutsche Ärzteblatt berichtet, liegt die monatliche Rente zahlreicher Senior*innen unterhalb der Armutsgrenze von 1.446 Euro, was 60 Prozent des mittleren Nettoäquivalenzeinkommens der Gesamtbevölkerung entspricht. Zwar verfügen Rentner*innen nicht selten über weitere finanzielle Mittel, beispielsweise durch Rücklagen, dennoch gelten knapp 20 Prozent aller Menschen im Rentenalter als armutsgefährdet. Der Gender Pay Gap, welcher die Differenz zwischen dem Einkommen von Frauen und Männern trotz vergleichbarer Tätigkeit beschreibt, spiegelt sich auch in der Höhe der Rentenbezüge wider: Frauen erhalten demnach mehr als doppelt so häufig eine Rente unterhalb der Armutsgrenze wie Männer. Auch die tatsächliche Altersarmut ist unter Rentner*innen weiter verbreitet, wobei dieser Unterschied in den ostdeutschen Bundesländern geringer ausfällt als im Westen. Neben dem Geschlecht besteht noch ein weiterer Risikofaktor für geringe Rentenansprüche: die häusliche Pflege von Angehörigen. Damit für pflegende Erwerbstätige Rentenpunkte gutgeschrieben werden, müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein. Dazu zählen ein zeitlicher Mindestumfang der häuslichen Pflege von zehn Stunden pro Woche, eine Erwerbstätigkeit von weniger als 30 Stunden wöchentlich sowie mindestens Pflegegrad 2 der pflegebedürftigen Person. Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, besteht kein Anspruch auf Rentenpunkte und damit ein erhöhtes Risiko für Altersarmut. Selbst wenn Pflegende Rentenpunkte erhalten, können diese die aufgrund der Pflegesituation häufig geringeren Rentenansprüche zumeist nicht ausgleichen. Expert*innen sehen hierin einen Widerspruch, da die Bundesregierung einerseits die häusliche Pflege stärken wolle, andererseits pflegende Angehörige, die durch Beruf und Pflege einer doppelten Belastung ausgesetzt sind, finanziell nur begrenzt unterstütze. Beide Risikofaktoren werden von vielen Seiten als ungerecht empfunden, da die jahrzehntelange Erwerbsarbeit sowie die geleisteten Beiträge zur Rentenversicherung im Ruhestand nicht durch eine angemessene Rente gewürdigt würden. Eine Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren könnte etwa dazu führen, dass die Zahl armutsgefährdeter Senior*innen in Deutschland weiter ansteigt. Sozialhilfe wird bereits jetzt von zahlreichen Rentner*innen in Anspruch genommen, doch auch hier ist mit Kürzungen zu rechnen. Die Linken-Politikerin Sarah Vollath bezeichnet die derzeitige Situation als „skandalös“ und fordert die Bundesregierung auf, eine gerechte und solidarische Rentenregelung zu schaffen, welche die jahrzehntelangen Leistungen von Rentner*innen entsprechend würdigt.
Weiterlesen Die 1989 gegründete Deutsche Alzheimergesellschaft (DAlzG) fördert diesen Austausch kontinuierlich und hat aus diesem Anlass bereits wiederholt Veranstaltungen durchgeführt, um mit Pflegefachkräften, Berater*innen, Ärzt*innen, Wissenschaftler*innen, aber auch direkt von Demenz Betroffenen Verbesserungsvorschläge für den Umgang und die Arbeit mit erkrankten Personen zu erarbeiten, welche anschließend an die zuständigen Minister*innen herangetragen werden sollen. Im kommenden Herbst wird die DAlzG zum 13. Mal ihren Demenz-Kongress ausrichten, der in diesem Jahr auf dem Gelände der Messe Magdeburg stattfinden wird. Am 15. und 16. Oktober werden unter dem Motto „Zusammen Zukunft gestalten“ zahlreiche, teils parallel stattfindende Workshops, Vorträge und Diskussionsrunden angeboten, an denen alle Menschen mit persönlichem und/oder professionellem Bezug zum Thema Demenz teilnehmen können. „Auf unserem Kongress möchten wir uns gemeinsam mit Ihnen über innovative Ideen, wegweisende Konzepte, gute Erfahrungen aus der Praxis und erfolgreiche Strategien austauschen. Die Zukunft beginnt schon jetzt. Zusammen wollen wir uns daranmachen, sie so zu gestalten, dass ein gutes Miteinander für Menschen mit Demenz, ihre Angehörigen und alle um sie herum gelingen kann“, sagt DAlzG-Vorsitzender Swen Staack in seinem Grußwort zum Demenz-Kongress. Das vorläufige Programm bietet Raum für die Auseinandersetzung mit Demenz im Zusammenhang mit mehreren Themen wie beispielsweise Prävention, therapeutischen Ansätzen, Digitalisierung, Wohnformen und Trauer. Übergeordnetes Ziel ist der Gewinn neuer Impulse für die langfristige Gestaltung eines Lebens mit Demenz – die DAlzG erhofft sich deren Umsetzung durch die Regierung. Während des Programms werden Speisen und Getränke angeboten. Bei der Anmeldung kann zwischen einer Tages- und einer Dauerkarte gewählt werden; DAlzG-Mitglieder sowie Studierende, Auszubildende und Menschen mit Demenz erhalten eine Ermäßigung. Zudem gilt bis einschließlich 20. August der Frühbucher-Rabatt. Nahegelegene Unterkünfte und weitere Informationen zur Anreise hat die DAlzG zusammengestellt. Der Demenz-Kongress der DAlzG findet alle zwei Jahre an wechselnden Orten in Deutschland statt und wird vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) gefördert.
Weiterlesen Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) befasst sich derzeit mit der Entwicklung eines neuen Projekts, das ältere, (chronisch) kranke und pflegebedürftige Menschen nachhaltig und zukunftsorientiert besser auf kommende Hitzewellen vorbereiten soll. Es trägt den Titel „Gemeinsam für Pflege & Planetare Gesundheit“ und wird durch die BARMER gefördert. Kooperationspartner sind die Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) sowie der Bundesverband Volkssolidarität. Letzterer führt das Projekt bereits in sechs ausgewählten Pflegeeinrichtungen in Ostdeutschland durch. Das Pilotprojekt verfolgt das Ziel, den Schutz der Gesundheit von Senior*innen mit umweltschützenden Maßnahmen zu verbinden. Gemäß dem Prinzip der Planetaren Gesundheit, das sich bereits im Projektnamen wiederfindet, wird davon ausgegangen, dass ein direkter Zusammenhang zwischen einem gesundheitsfördernden Lebensstil und einer nachhaltigen, umweltschonenden Lebensweise besteht. Beispielsweise profitieren sowohl Menschen als auch die Umwelt von sauberer Luft und einer lärmarmen Umgebung. Vor einer möglichen bundesweiten Umsetzung soll das Projekt ab September zunächst punktuell getestet werden. Hierfür wurden folgende Kommunen ausgewählt: Im ersten Schritt werden gemeinsam mit Politiker*innen sowie Fachkräften aus den Bereichen Pflege, Gesundheit und Senior*innenarbeit bestehende Defizite im Bereich der Planetaren Gesundheit vor Ort ermittelt. Auf dieser Grundlage sollen lokale Akteur*innen in den nächsten zwei Jahren an entsprechenden Weiterbildungsangeboten der BAGSO teilnehmen. Diese Schulungen sollen den Kommunen neue Ansätze für eine präventive und langfristig nachhaltige Gestaltung der Infrastruktur vermitteln. Dabei geht es nicht nur um Hitzeschutz, sondern auch um Themen wie Ernährung, psychische Gesundheit und Mobilität. Senior*innen, aber auch andere gegenüber extremer Hitze vulnerable Gruppen, sollen durch ökologisch sensible Maßnahmen auch bei hohen Temperaturen mehr Sicherheit und Lebensqualität erfahren, sodass trotz zunehmender Hitzewellen künftig weniger Menschen infolge extremer Hitze sterben.
Weiterlesen Der Mitte Juli veröffentlichte Report Pflegebedürftigkeit des Medizinischen Dienst Bund führt zahlreiche quantitative Daten zur gegenwärtigen Situation pflegebedürftiger Menschen in Deutschland auf. Auffallend ist dabei, dass sich die Anzahl der Personen mit Anspruch auf Pflegeleistungen innerhalb von weniger als zehn Jahren verdoppelt hat und nun bei rund 6 Millionen liegt. Schätzungen des Statistischen Bundesamts gehen davon aus, dass innerhalb der nächsten 30 Jahre mehr als 1,5 Millionen weitere Personen pflegebedürftig werden. Besonders die Zunahme der Pflegebedürftigkeit unter jüngeren Personen sticht hervor. Diese liegt in der Gruppe der unter 70-Jährigen bei über 150 Prozent. Der Anstieg lässt sich unter anderem durch die Pflegereform 2017 erklären, durch die die Beantragung eines Pflegegrades insbesondere im Falle psychischer und kognitiver Beeinträchtigungen niedrigschwelliger geworden ist. Noch deutlicher zeigt sich dieser Trend bei pflegebedürftigen Kindern und Jugendlichen: Waren es im Jahr 2015 kaum mehr als 50.000, gelten aktuell rund 190.000 Minderjährige als pflegebedürftig. Pflegegrad 2 ist mit rund einem Drittel der nach häuslichen Begutachtungen durch den Medizinischen Dienst vergebenen Pflegegrade der am häufigsten vergebene Pflegegrad. Zudem konnte ermittelt werden, dass die meisten Menschen mit etwa 85 Jahren erstmals pflegebedürftig werden. Dies gilt sowohl für Frauen als auch für Männer, wobei gut 60 Prozent aller Pflegebedürftigen in Deutschland weiblich sind. Nur etwas mehr als ein Zehntel aller Pflegebedürftigen lebt in einer stationären Pflegeeinrichtung, während etwa 85 Prozent in den eigenen vier Wänden wohnen. Besonders Frauen leben häufig allein, was sich darauf zurückführen lässt, dass ihre (männlichen) Ehepartner im Durchschnitt älter sind und eine geringere Lebenserwartung haben. Die häusliche Versorgung alleinlebender Personen nimmt Angehörige aufgrund des intensiven Abhängigkeitsverhältnisses besonders stark in die Verantwortung. Obwohl die gegenwärtigen Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen insbesondere durch die Union befürwortet werden, setzt sich die CSU verstärkt für eine Entlastung pflegender Angehöriger ein. Anlässlich dessen fanden bereits Gespräche zwischen Alexander Hoffmann, Vorsitzendem der CSU-Landesgruppe, und der Deutschen Presse-Agentur statt. Hoffmann sprach dabei von dem Ziel, die Entlastung der Pflegekassen mit der Unterstützung pflegender Angehöriger miteinander zu vereinbaren. Konkrete Angaben zu möglichen Maßnahmen sind bislang jedoch nicht bekannt.
Weiterlesen Damit Rentner*innen zu Beginn ihres Ruhestands mehr Sicherheit und Orientierung erleben können, sollen die rund 300, überwiegend in Nordrhein-Westfalen aktiven ZWAR-Netzwerke Menschen, die an der Schwelle zum Renteneintritt stehen, zusammenführen. Ende der 1970er Jahre in Dortmund gegründet, sind mittlerweile über 15.000 Menschen in einem solchen Netzwerk tätig. Die Abkürzung ZWAR steht für „Zwischen Arbeit und Ruhestand“. Das Konzept ist auf Selbstorganisation ausgelegt und soll bewusst möglichst niedrigschwellig gehalten werden. Die ZWAR-Netzwerke sollen ältere Menschen vor Ort unterstützen und stehen diesbezüglich im Austausch mit Vertreter*innen aus Politik und Wirtschaft. Dabei bieten sie Projekte zu Themen wie Digitalisierung und Gesundheitsprävention an und beraten sowie coachen Interessierte und Bedürftige, aber auch Mitarbeitende und ehrenamtlich Tätige, zur eigenständigen Partizipation sowie zur Quartiersentwicklung. Langfristiges Ziel ist die Wahrung der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, die die individuellen Ressourcen berücksichtigt. ZWAR e. V. richtet regelmäßig abwechslungsreiche und interaktive Veranstaltungen für Senior*innen aus. Die Workshops, Kurse, Diskussionsrunden und Feierlichkeiten sollen primär dem Erleben von Gemeinschaft in einer unterhaltsamen Atmosphäre sowie der Aneignung neuer Kenntnisse und Fähigkeiten dienen. Für ihre langjährige erfolgreiche Arbeit wurde erst kürzlich eines der ZWAR-Netzwerke mit einem lokalen Ehrenamtspreis ausgezeichnet. Auch Seminare zur Netzwerkarbeit werden seitens ZWAR e. V. angeboten, die sich sowohl an die Mitglieder selbst als auch an anderweitig Tätige in der Arbeit mit älteren Menschen richten. Der nächste Termin für ein solches Seminar ist der 01. Oktober und findet in Dortmund statt. Seminarleiterin Ute Schünemann-Flake ist Diplom-Pädagogin, Psychologische Beraterin und Mastercoach und wird von 09:00 Uhr bis 16:30 Uhr den Teilnehmenden zentrale Elemente des ZWAR-Konzepts näherbringen. Dies schließt die Organisation wie auch die Umsetzung von Netzwerktreffen auf kommunaler Ebene ein. Der aus theoretischen und praxisnahen Aspekten bestehende Seminarblock soll die Teilnehmer*innen für die Komplexität der Rolle einer Gruppenleitung entsprechender Netzwerke sensibilisieren. Noch bis zum 25. September ist eine Anmeldung für 150 Euro Teilnahmegebühr per E-Mail an ut.schuenemann@zwar.org möglich.
Neues Altersvorsorgedepot ab 2027
22. Juli 2026Weiterlesen Wie das neue Altersvorsorgedepot im Detail ausgestaltet sein wird, steht derzeit noch nicht fest. Dies wird sich mit der Einführung entsprechender Angebote auf dem Markt zeigen. Voraussichtlich wird eine Anlage in verschiedene Fonds, Anleihen oder vergleichbare Anlageformen möglich sein. Der Staat wird die ersten 360 Euro im Jahr mit 50 % fördern, darüber hinaus Einzahlungen bis zu 1.800 Euro mit 25 %. Maximal sind somit Förderungen von 540 Euro pro Jahr möglich. Für Eltern wird es zusätzliche Zuschüsse geben, für unter 25-Jährige zudem einen einmaligen Bonus. Der Mindestbetrag der Einzahlung soll bei 10 Euro im Monat liegen. Vorgesehen ist außerdem ein Standarddepot, das insbesondere für Einsteiger*innen geeignet ist. Dieses soll so ausgestaltet werden, dass es auch digital und ohne Beratung abgeschlossen werden kann. Der Staat möchte neben privaten Anbietern wie Banken oder Lebensversicherungen ebenfalls ein eigenes Angebot schaffen. Während der Ansparphase sollen laut Gesetzentwurf keine Steuern auf Vorabpauschalen anfallen. Außerdem sollen Fondswechsel steuerfrei möglich sein. Mit dem Altersvorsorgedepot erhalten erstmals auch Selbstständige Zugang zu einer staatlich geförderten Altersvorsorge, die nicht an die gesetzliche Rentenversicherung gekoppelt ist. Im Vergleich zu einem herkömmlichen Depot, das frei gestaltet werden kann und bei dem Depotinhaber*innen jederzeit Geld entnehmen können, wird das Altersvorsorgedepot ab Renteneintritt in Raten ausgezahlt, sodass das verbleibende Vermögen weiterhin angelegt bleibt. Zu Beginn soll es möglich sein, 30 % des angesparten Vermögens zu entnehmen. Trotz der Vorteile gibt es Aspekte, die kritisch betrachtet werden können. So unterliegen Fondsanlagen Kursschwankungen und sind daher anfällig für kurzfristige Verluste. Zudem setzt die Nutzung des Altersvorsorgedepots ein gewisses Verständnis für Geldanlagen und Fonds voraus, das nicht jede*r mitbringt. Unterstützung dabei, Chancen und Risiken besser einschätzen zu können, könnte daher sinnvoll sein. Darüber hinaus ließe sich argumentieren, dass Menschen mit geringem Einkommen benachteiligt werden, da sie weniger einzahlen können und somit auch weniger Förderung erhalten. Eine gezieltere Ausgestaltung der Fördermechanismen wäre hier denkbar. Genauere Informationen zum Altersvorsorgedepot finden sich auf Finanztip.de. Auf Finanzen.net steht zudem ein Rechner zur Verfügung, mit dem sich die mögliche Förderung berechnen lässt.
Weiterlesen Erste Überlegungen zur Erneuerung der Strukturen in der Ausbildung zur Pflegefachassistenz wurden bereits im vorletzten Jahr seitens der Ampelregierung geäußert, verbunden mit dem Ziel eines Starts im Jahr 2027. Im vergangenen Jahr wurde der entsprechende Gesetzentwurf beschlossen. Langfristiges Ziel ist es, mehr Interessent*innen für den Pflegeberuf zu gewinnen, um Lücken in der Personalabdeckung zu schließen und die Bürokratie zu reduzieren. Der an das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) sowie an das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) übermittelte Entwurf umfasst sowohl einen Rahmenlehrplan als auch einen Rahmenausbildungsplan. Darin sind Inhalte, Strukturen, Regelungen, Rechte und Pflichten festgehalten, welche die geplante Pflegefachassistenzausbildung charakterisieren sollen. Diese sind nicht bindend; die Länder können jedoch Anpassungen vornehmen. Laut einer Ministeriumssprecherin bietet der Ausbildungsplan Anregungen für (verpflichtende) Praxiseinsätze und Übungsaufgaben, um den Auszubildenden möglichst viele Kompetenzen zu vermitteln, die im Pflegeberuf von entscheidender Bedeutung sind. Die Dauer der Ausbildung wird mit 1,5 Jahren angegeben, sie lässt sich im Falle beruflicher Vorerfahrung allerdings verkürzen. Die Pflegefachassistenzausbildung soll den bisherigen bundesweiten Flickenteppich vergleichbarer Ausbildungen ersetzen. Darüber hinaus soll es Absolvent*innen möglich sein, in jeder beliebigen Pflegeeinrichtung tätig zu sein und mehr Aufgaben als bislang übernehmen zu können, um diese je nach Bedarf gemeinsam mit Pflegefachpersonen wahrzunehmen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) und Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) befürworten die Flexibilität und Niedrigschwelligkeit des Modells und erhoffen sich eine langfristige Stabilisierung der seit Jahren angespannten Pflegesituation. Im vergangenen Jahr entschieden sich knapp 64.000 Personen in Deutschland für eine Ausbildung zur Pflegefachkraft, was einem Plus im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Einen ähnlichen Anstieg verzeichnet auch das Pflegestudium, das 2025 von rund 1.800 Menschen begonnen wurde. An diese Entwicklung soll die Pflegefachassistenzausbildung anknüpfen – nicht zuletzt durch eine höhere Vergütung. Das BMBFSFJ und das BMG werden die Vorschläge der Fachkommission innerhalb der nächsten Monate prüfen. Dabei soll sichergestellt werden, dass der Entwurf mit dem Pflegefachassistenzgesetz vereinbar ist, bevor die Pflegefachassistenzausbildung voraussichtlich am 1. Januar 2027 startet. Die Pflegefachassistenzausbildung ist nicht mit Advanced Practice Nursing (APN) zu verwechseln. Dabei handelt es sich um Pflegefachpersonen mit erweiterten Befugnissen, unter anderem in der medizinischen Versorgung chronisch kranker Patient*innen. Darüber hinaus sollen sie eine Vermittlerrolle zwischen verschiedenen Akteur*innen im Gesundheits- und Pflegebereich übernehmen, um nicht notwendige Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte zu vermeiden. Noch in diesem Jahr soll ein Gesetz formuliert werden, das das genaue Profil der APN definiert. Gespräche zwischen Nina Warken und einem Expert*innenstab laufen bereits.
Weiterlesen Ein niedrigschwelliges Angebot gegen Einsamkeit ist die von Ehrenamtlichen betriebene Hotline von Silbernetz e.V., die täglich unter der Telefonnummer 0800 4 70 80 90 erreichbar ist. Über die Silbernetz-Hotline haben wir bereits berichtet. Es bietet älteren Menschen die Möglichkeit, anonym über ihre Sorgen zu sprechen und das Gefühl zu erleben, dass ihnen jemand zuhört. Das Angebot richtet sich insbesondere an einsame Menschen im höheren Alter, die aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen oder anderer Lebensumstände nur eingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Nun wurden erstmals die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Evaluation veröffentlicht, die die Reichweite und Wirkung des Angebots untersucht. Dazu führte das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA) das Evaluationsprojekt „Reichweite und Wirkung der Silbernetz-Hotline (ReWiSil)“ durch. Das vom Bundesministerium für Bilderung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) geförderte Projekt betrachtete, welche Menschen das Angebot nutzen und welchen Einfluss die Gespräche auf ihr Einsamkeitserleben haben. Dafür wurden ausgewählte Anrufer*innen sowohl kurz nach ihrem ersten Anruf als auch drei Monate später befragt. Neben dem Einsamkeitserleben wurden unter anderem das soziale Umfeld und die Einstellung zum eigenen Älterwerden erfasst. Die Ergebnisse zeigen, dass bereits ein einzelnes Telefongespräch – auch wenn es meist nicht länger als 30 Minuten dauert – zu einer Verringerung des Einsamkeitserlebens beitragen kann. Die Befragten berichteten zudem von mehr wahrgenommenen persönlichen Ressourcen und einem optimistischeren Blick in die Zukunft. Gleichzeitig zeigte sich, dass vor allem Menschen mit geringer sozialer Teilhabe und hoher Einsamkeitsbelastung das Angebot nutzen. Am 24. Juni 2026 stellte das DZA die Ergebnisse im Rahmen einer Fachtagung vor. Neben Vertreter*innen des DZA, des BMBFSFJ und von Silbernetz e. V. nahm auch Sebahat Atli, seniorenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, an der Veranstaltung teil. Nach einer Einführung in die Arbeit von Silbernetz standen zunächst die gesellschaftliche Bedeutung chronischer Einsamkeit sowie Aufbau und Methodik der Evaluation im Mittelpunkt. Anschließend wurden die Ergebnisse vorgestellt. Diese zeigen unter anderem, dass sich Erstanrufer*innen deutlich einsamer fühlten als der Bevölkerungsdurchschnitt und häufiger den Eindruck hatten, gesellschaftlich ausgeschlossen zu sein. Im Fazit der Studie heißt es: „Die Gespräche können erste Entlastung schaffen und wichtige Impulse setzen, auch wenn die Erstanrufenden nach drei Monaten weiterhin deutlich belastet bleiben.“ Die gut zweistündige Abschlusstagung wurde auf YouTube übertragen und ist dort weiterhin aufrufbar.
Stellungnahme des Forums katholischer Männer: Ältere Männer aktiv ansprechen und fördern
15. Juli 2026Weiterlesen Männerbeauftragte der Diözesen sowie kirchlicher Verbände und Organisationen haben dazu eine gemeinsame Stellungnahme veröffentlicht. Darin appellieren sie an Politik, Sozialarbeit und weitere Akteur*innen, ihre Angebote stärker an den Bedürfnissen älterer Männer auszurichten und dabei auch die Folgen des demografischen Wandels zu berücksichtigen. In der Stellungnahme wird auf die Potenziale und Ressourcen älterer Männer hingewiesen, die nach Ansicht des Forums katholischer Männer (FkM) bislang zu wenig genutzt werden. Gleichzeitig fehle es häufig an niedrigschwelligen Möglichkeiten zur Begegnung und aktiven Teilhabe. Viele Männer seien mit traditionellen Rollenbildern aufgewachsen, nach denen Gefühle eher unterdrückt und Stärke gezeigt werden sollte. Dies könne dazu beitragen, dass psychische Belastungen seltener angesprochen und Unterstützungsangebote seltener genutzt werden. Das FkM verweist in diesem Zusammenhang unter anderem auf die höhere Betroffenheit von Männern durch Suizide und problematischen Alkoholkonsum. Auf Grundlage des Neunten Altersberichts schlägt das FkM das Leitbild der „Caring Masculinities“ (fürsorgliche Männlichkeiten) für die zukünftige Arbeit mit älteren Männern vor. Im Mittelpunkt steht dabei die Förderung vorhandener Ressourcen sowie die Möglichkeit, auch im Alter selbstbestimmt, aktiv und entsprechend der eigenen Interessen zu leben. Ebenso sollen die persönliche Weiterentwicklung und die Reflexion der eigenen Lebenssituation unterstützt werden. Zugleich weist das FkM darauf hin, dass das Älterwerden mit neuen Herausforderungen verbunden ist, die insbesondere Männer mit wenigen sozialen oder finanziellen Ressourcen nicht immer allein bewältigen können. Deshalb brauche es konkrete Begegnungsangebote, Anlaufstellen und Vernetzungsmöglichkeiten, in denen ältere Männer miteinander ins Gespräch kommen, Erfahrungen austauschen und sich gegenseitig unterstützen können. Als Beispiele nennt das FkM verschiedene Angebote speziell für ältere Männer, die Begegnung, Austausch und aktive Freizeitgestaltung fördern sollen. Ziel sei es, ältere Männer gezielt anzusprechen und ihnen einen geschützten Rahmen zu bieten, in dem sie offen über Sorgen, Ängste und persönliche Erfahrungen sprechen können. Voraussetzung dafür sei eine wertschätzende und ressourcenorientierte Haltung, die ältere Männer als eigenständige Zielgruppe anerkennt und auf Stigmatisierung verzichtet. Die vollständige Stellungnahme des Forums katholischer Männer finden Sie hier.










