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Alltägliches Leben

Der diesjährige Innovationspreis der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Pflege Schleswig-Holstein wurde in Neumünster verliehen. Insgesamt fünf Dienste und Einrichtungen aus Trappenkamp, Lübeck, Neumünster und Lensahn wurden dafür und für andere innovative Ansätze in den Kategorien "Kundenorientierung", "Mitarbeiterorientierung" und "Netzwerkorientierung" mit einem Preisgeld von insgesamt 6000 Euro ausgezeichnet. Bewerben konnten sich ausschließlich Einrichtungen der AWO.

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"Die eingereichten und ausgezeichneten Projekte haben nicht nur drängende Herausforderungen in der Pflege wie den demografischen Wandel, sondern auch aktuelle gesellschaftspolitische Themen wie Nachhaltigkeit und Toleranz aufgegriffen und auf kreative Art umgesetzt", erklärt Wolfgang Baasch, Landesvorsitzender der AWO Schleswig-Holstein und Jurymitglied. Damit wurde die Teilhabe der älteren Menschen am gesellschaftlichen Leben ermöglicht.

Der erste Preis in der Kategorie "Kundenorientierung" über 2000 Euro ging an das gemeinsame Projekt der AWO Pflegedienste Südholstein und des AWO Servicehauses Lübeck "Bienen in Not – blühende Landschaften". Dafür wurden die Mieter zunächst für die Thematik des Bienensterbens sensibilisiert und trugen anschließend im Rahmen von niedrigschwelligen Betreuungsgruppen mit Spaß und Engagement dazu bei, bestehende Beete im Erwin-Wengel-Haus Trappenkamp zu erneuern und durch bienenfreundliche Pflanzen zu ersetzen. Gleichzeitig wurde im Servicehaus Lübeck ein bienenfreundliches Hochbeet angelegt. Damit sollten Erinnerungen an frühere Gartenarbeit geweckt, die Hausgemeinschaft gestärkt, die Teilhabe am gesellschaftlichen Miteinander ermöglicht und ein Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung und Erhaltung der Bienenkulturen in der Stadt geleistet werden.

Der erste Preis in der Kategorie "Mitarbeiterorientierung" wurde an die AWO WOHNpflege und das Servicehaus Wasserturm in Neumünster für das Projekt "Neue Wege der Personalakquise durch umfangreiche verbindliche Praktikumsangebote" verliehen. Durch Kooperationen mit der Elly-Heuss-Knapp-Schule, einer Berufsfachschule für Sozialwesen, und der Freiherr-von-Stein-Schule, einer Gemeinschaftsschule, wurden mit regelmäßigen und fachlich begleiteten Praktika und jährlichen Projektwochen zum Thema Pflege niedrigschwellige Angebote für junge Menschen geschaffen, um sich schon in der Schulzeit mit dem Arbeitsfeld Pflege zu beschäftigen. Als Folge wurden seit 2013 rund 40 Praktikumsverträge abgeschlossen. Gleichzeitig ist die Zahl der Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz in der Pflege durch ehemalige SchülerInnen der Elly-Heuss-Knapp-Schule gestiegen.

Mit dem ersten Preis in der Kategorie "Netzwerkorientierung" wurde das AWO Haus am Mühlenteich in Lensahn für das Projekt "Vereinsleben ohne Grenzen" ausgezeichnet, über das den BewohnerInnen und MieterInnen die Teilhabe an den Angeboten der ortsansässigen Vereine ermöglicht wird. Dank einer Kooperation mit der Gemeinde, dem Schwimmbad und dem TSV Lensahn werden interessierte BewohnerInnen seit Projektstart regelmäßig von drei ehrenamtlichen HelferInnen zu den Heimspielen der 1. und 2. Herrenfußballmannschaft abgeholt und bei freiem Eintritt auf einem Ehrenplatz betreut. Andere BewohnerInnen besuchten bisweilen täglich mit ehrenamtlichen HelferInnen das Waldschwimmbad. Aber auch BewohnerInnen, die einfach nur ein Eis im Schwimmbad essen oder einen Kaffee trinken möchten, haben freien Eintritt. Seit August gibt es darüber hinaus eine SeniorInneenturngruppe im Ort.

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Zum dritten Bürgerdialog für den Aufbau eines Nachbarschaftsnetzwerks laden die Gemeinde Mildstedt, der AWO Ortsverein und das AWO Service- und Wohnzentrum in Mildstedt am 11.11.2015 ab 15:00 in den Kirchspielskrug in Mildstedt ein. Die Veranstaltung ist Teil der Aktion „Wir im Quartier - Wir in Mildstedt“.

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Der Anteil älterer Menschen in unserer Gesellschaft steigt stetig. Der angemessene Umgang mit dieser Entwicklung ist eine der großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Wie wollen Menschen im Alter künftig leben? Welche Konzepte erarbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für eine immer älter und bunter werdende Gesellschaft? Kann es Lebensqualität nur geben, wenn wir im Alter gesund, fit und selbstständig sind? Wie stellen sich die Mildstedterinnen und Mildstedter ihr Leben im Alter vor, was ist ihnen wichtig? Diese Fragen wollen wir uns im Rahmen des dritten Bürgerdialogs widmen. Dabei werden auch die Ergebnisse der Bürgerbefragung, die Anfang Oktober in allen Haushalten durchgeführt wurde, vorgestellt.

15:00 Begrüßung durch Susanne Eisenstein (Einrichtungs- und Pflegedienstleitung im AWO Service- und Wohnzentrum Mildstedt), Hans-Peter Henkens (Vorsitzender AWO Ortsverein Mildstedt) und Bernd Heiber (Bürgermeister der Gemeinde Mildstedt)

15:10 Grußworte von VertreterInnen der Fraktionen des Gemeinderats

15:30 Ergebnisse der Haushaltsbefragung in Mildstedt durch Gesa Wulff (Koordinatorin Quartiersentwicklung der AWO Pflege Schleswig-Holstein) und Bernd Heiber

15:50 "Wie wollen wir im Alter leben?“ – Aspekte der Lebensqualität im Alter: Prof. Dr. Rainer Fretschner (Professor für Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Alter und Demographie an der Fachhochschule Kiel)

16:30 Was wünschen wir in Mildstedt uns im Alter?“ Dialog mit den BürgerInnen

Die Veranstaltung findet am 11.11.15 im Kirchspielskrug in Mildstedt statt.

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Der Index soll die Lebenssituation älterer Menschen weltweit vergleichen. Ein Ergebnis ist, dass sich Ungleichheiten weltweit verschärfen und Sparprogramme die Älteren in vielen Ländern hart treffen. Auch europäische Länder seien davon zunehmend betroffen. So sei die Situation Älterer in Griechenland ähnlich schlecht wie in Sub-Sahara Afrika.

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Die international tätige Organisation HelpAge veröffentlicht den Weltalten-Index zum dritten Mal. 12,3% der Weltbevölkerung sind derzeit mindestens 60jährig. In ca. 15 Jahren wird diese Zahl vermutlich auf etwa 1,4 Mrd. (16,5%) und bis 2050 auf 2,1 Mrd. (21,5%) ansteigen.

Der Weltalten-Index soll dazu beitragen, Risiken der Entwicklung zu erkennen und entsprechend darauf zu reagieren. Die Schweiz hat es dieses Jahr auf den ersten Platz geschafft. Dort lebt es sich im Alter vergleichsweise am besten. Norwegen, letztes Jahr ganz vorne, ist dieses Jahr auf dem 2. Platz. Dicht dahinter liegen Schweden (3) und Deutschland (4). Schlusslicht bildet, wie die beiden Jahre zuvor, Afghanistan (96). Bis auf Japan (8) haben es nur westeuropäische und nordamerikanische Länder unter die TOP 10 geschafft. Die 96 erfassten Staaten stellen 91% der älteren Weltbevölkerung dar. Afrika ist mit 11 von 54 Staaten bisher unzureichend im Weltalten-Index repräsentiert.

In Nordamerika und Europa trafen die Sparmaßnahmen im Zuge der Finanzkrise 2008 vor allem die Älteren. In Polen werden die Renten von der Hälfte auf ein Viertel des Durchschnittlohnes sinken und in Spanien wurden sie eingefroren. Die Altersarmut in den USA steigt seit der Rezession kontinuierlich und variiert stark zwischen den ethnischen Gruppen. Die vielfachen Sparmaßnahmen bei der sozialen Sicherheit werden sich negativ auf die Älteren von morgen auswirken. Die Armutsquote steigt in 32 OECD-Staaten mit zunehmendem Alter. So liegt sie ab dem 76. Lebensjahr 3% höher als bei den 66 bis 75-Jährigen.

Der aktuelle Bericht macht deutlich, dass sich Ungleichheiten zwischen einkommensstarken und einkommensschwachen Ländern verschärfen. Auffällig ist vor allem der Unterschied im Bildungsstand zwischen den zehn besten und den zehn untersten Rängen, der sich im Zeitraum von 1990 bis 2010 um 50% erhöhte.

Frauen sind oftmals doppelt benachteiligt; die Diskriminierung aufgrund des Alters wird durch eine geschlechtsspezifische Diskriminierung verschärft. Die Anzahl der Frauen, die zwischen dem 55.und 64. Lebensjahr einer ökonomischen Tätigkeit nachgehen, ist um rund 27 Prozent geringer als bei gleichaltrigen Männern. Ihr Risiko von Altersarmut betroffen zu sein, ist dementsprechend um ein Vielfaches höher.

Millionen Älterer bleiben in offiziellen Statistiken bislang unberücksichtigt. Es werden beispielsweise nur Frauen bis zum 49. Lebensjahr in Datenerhebungen zur Gewalt gegen Frauen einbezogen. Gewalt, die sich vielfach auch gegen ältere Frauen richtet, bleibt dadurch unsichtbar. Solange Ältere nicht flächendeckend bei Erhebungen berücksichtigt werden, wird die wachsende Bevölkerungsgruppe in Hilfsmaßnahmen und politischen Programmen weiterhin marginalisiert und benachteiligt. In afrikanischen Staaten bestehen dabei aktuell die größten Defizite.

Der Index macht klar, dass Regierungen, die sich mit entsprechenden Maßnahmen auf die Alterung der Gesellschaft einstellen, besser abschneiden. Besonders Investitionen in Bereiche, die die Unabhängigkeit Älterer stärken, werden sich für die Älteren von morgen auszahlen und ihre Lebenssituation effektiv verbessern. Diese Bereiche umfassen Gesundheit, Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Dort wo beispielsweise Sozialrenten (steuerfinanzierte Renten) eingeführt oder das Gesundheitssystem verbessert wurde sowie Beschäftigungsmöglichkeiten für Ältere bestehen, ist die Situation der Älteren deutlich besser.

Sie können den gesamten Bericht hier herunterladen.

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Das Stipendium "weltweit aktiv" richtet sich an Engagierte ab 50 Jahren und ist mit 2.000 Euro dotiert. Durch den Anbieter wird bei Bewerbung auch der Freiwilligendienst gebucht.

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In Deutschland ist die Mehrzahl der freiwilligen Helfer älter als 50 Jahre, bei Freiwilligendiensten im Ausland ist die Quote der Älteren geringer. Um dies zu verändern, vergeben Experiment e.V. und die Deutsche Seniorenliga e.V. zum dritten Mal das Stipendium "weltweit aktiv".

Auf die GewinnerIn (und auch auf diejenigen, die ohne Stipendium den Freiwilligendienst antreten) wartet eine spannende Aufgabe in einem gemeinnützigen Projekt und Erfahrungen abseits der touristischen Pfade. Die Freiwilligendienste dauern je nach Einsatzort 3 bis 12 Wochen, es werden Projekte in 11 Ländern angeboten: Argentinien, Chile, Ecuador, Guatemala, Mexiko, Benin, Südafrika, Türkei, Thailand, Laos, China und Vietnam. Der Reisezeitraum wird, je nach Absprache, zwischen 1. April und 1. November 2016 liegen.

Mehr zu den Teilnahmebedingungen und konkreten Projekten finden Sie auf der Website. Achten Sie unbedingt darauf, dass bei der Bewerbung eine verbindliche Buchung eingegangen wird. Bei Rücktritt von der Buchung fallen Kosten an, welche Sie auf den Bewerbungsunterlagen nachlesen können.

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In dem Generationenblog schreiben verschiedene AutorInnen aus verschiedenen Altersklassen über eine große Bandbreite von Themen. Grundsätzliches Ziel dabei ist es, den Dialog und das Miteinander der Generationen zu stärken.

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Neue Medien sollen gemeinsam und kreativ genutzt werden. Dabei können die AutorInnen und LeserInnen Einblick in die digitale Kultur erfahren und die Sichtweise der anderen Generation entdecken. AutorInnen haben sich zum Teil zu Tandems aus jüngeren und älteren Menschen zusammengetan, um das Miteinander noch spürbarer darzustellen. Auf dem Generationenblog werden auch Ergebnisse von anderen Projekten dargestellt.

Die Artikel können Sie sich sortiert nach Themengebiet, Erscheinungsdatum oder  AutorIn anschauen. Der Generationenblog wird von der SK Stiftung Kultur als eines von mehreren Generationenprojekten getragen.

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Zu dem Thema "Autofahren und Demenz - Selbstbestimmung oder Risiko? Was Betroffene, Angehörige und Ärzte tun können!“ veranstaltete das Kompetenzzentrum Demenz am 26.08. einen Fachtag. Hier können Sie die Ergebnisse dieses Fachtages nachlesen.

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Unter der Moderation von Antje Holst gewährte ein Ehepaar Einblick in seine ganz persönliche Erfahrung mit dem Thema. Seit drei Jahren leben sie mit der Diagnose Alzheimer des Ehemannes. Die Fahrfehler häuften sich, es kam zu kleineren und größeren Schäden. Gemeinsam gingen sie das Thema an. Sie holten sich Rat von der Alzheimer Gesellschaft und der AWO- Beratungsstelle Demenz und Pflege. „Man muss den Mut haben, sich der Sache zu stellen“, meint der Erkrankte. Inzwischen fährt er nicht mehr Auto. Gemeinsam haben sie ihr ländliches Leben aufgegeben und dind umgezogen, um näher an allen täglichen Zielen zu sein. Neue Hobbies haben sich aufgetan und Netzwerke, so dass nicht alles allein bewältigt werden muss.

Frau Dr. med. Hannelore Hoffman-Born vom Verkehrsmedizinischen Competenz-Centrum in Frankfurt betonte, dass Menschen mit leichter Demenz häufig noch in der Lage sind sicher genug Auto zu fahren. Ausschlaggebend seien der jeweilige medizinische Befund, der Krankheitsverlauf und die Persönlichkeit der Erkrankten. Von angedachten SeniorInnenzuschlägen bei der KFZ-Versicherung hält sie nichts. Besser wäre eine Reduktion der Beiträge bei Nachweis von freiwilligen Fahrtauglichkeitstests. Das Auto müsse alle zwei bis drei Jahre zum TÜV, obwohl Fahrzeugmängel nur für 0,9% der Unfälle mit Personenschäden Ursache sind. In 87,7% der Fälle ist der Fehler beim Menschen zu finden. Die Argumentation „Ich fahr doch nur noch zum Arzt oder zum Friedhof.“, zählt nicht, denn mit fehlender Fahrpraxis steigt auch das Unfallrisiko. Ärzte seien bei Hinweisen auf Eigen- oder Fremdgefährdung durch die Teilnahme ihrer PatientInnen am Straßenverkehr zu verständlichen Mitteilungen verpflichtet. Den Erkrankten und unter Umständen auch den Angehörigen gegenüber.

Auch der Rechtsanwalt Jürgen Peitz aus Bielefeld betonte, dass es bei leichter Demenz keine festgelegte Grenze für die Fahreignung gäbe. Doch obwohl das Umfeld das Fortschreiten der Erkrankung wahrnimmt, setzt das Nachdenken häufig erst bei der Frage ein, ob die eigenen Kinder bei Opa noch mitfahren dürfen. In Deutschland ist jeder selbst dafür verantwortlich zu entscheiden, ob er noch fahren kann. Fährt er, obwohl er dazu nicht mehr in der Lage ist, handelt er fahrlässig. Ist er nicht mehr in der Lage, seine Fahrtüchtigkeit einzuschätzen aber das Umfeld erkennt eine konkrete Gefahrensituation, so sind diese Personen unter Umständen verpflichtet einzuschreiten. Gut ist es deshalb sich rechtzeitig Notizen über Fahrauffälligkeiten zu machen, mit der PartnerIn ins Gespräch zu kommen und Fachkompetenz einzufordern. Hilfe gibt es z.B. durch verkehrsmedizinisch fortgebildete ÄrztInnen oder anlassbezogene anonyme Überprüfungen der Fahrtauglichkeit.

Solche Möglichkeiten zeigte der TÜV-Nord in der Pause dem aufgeschlossenen Publikum direkt vor Ort.

Über den Stand eines Forschungsprojektes zu Autofahren und Demenz für die hausärztliche Praxis informierte Dr. rer. Nat. Michael Pentzek vom Institut für Allgemeinmedizin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft soll das Projekt helfen, über das
emotional behaftete Thema ins Gespräch zu kommen. Gemeinsam mit PatientInnen mit leichter Demenz können HausärztInnen durchaus individuell angepasste Mobilitätsprofile erstellen. So könnten z.B. Stoßzeiten gemieden, nur bestimmte Strecken gefahren oder Hilfe durch eine BeifahrerIn in Anspruch genommen werden. Ziel ist die Aufnahme von Handlungsempfehlungen in die Leitlinien der ÄrztInnen.
Zum Abschluss stellte das Kompetenzzentrum Demenz seine neue Orientierungshilfe "Autofahren und Demenz - Was Betroffene, Angehörige und Ärzte tun können!" vor. Sie gibt Auskunft, ob die Fahrtauglichkeit nachlässt und welche Schritte getan werden sollten, um sicher mobil zu bleiben. Die neue Broschüre kann für 2,50 € + Versandkosten über das Kompetenzzentrum Demenz, Alter Kirchenweg 33-41, 22844 Norderstedt, Telefon 040 - 609 264 20, Fax 040 – 30857986 oder info@demenz-sh.de bestellt werden.


Weitere Hinweise zum Thema liefern unsere Literaturempfehlungen. Ein Ergebnis der Studie „Demenz und Verkehrssicherheit“ der Bundesanstalt für Straßenwesen ist, dass keine nennenswerten Leistungseinbußen bei AutofahrerInnen mit leichter Demenz bestehen. Der Blogeintrag Demenz und Autofahren von Dipl. Psychologe Hardy Holte sei in diesem Zusammenhang ebenfalls wärmstens empfohlen.

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Prof. Dr. Bitzan von der Hochschule Esslingen steuerte den zweiten Impulsvortrag zu dem diesjährigen Bundeskongress Soziale Arbeit bei. Sie gab dem Vortrag den Titel "Das Soziale von den Lebenswelten her denken - Zur Produktivität der Konfliktorientierung für die Soziale Arbeit." Wir bieten Ihnen wieder Zusammenfassung sowie Audiomitschnitt des Vortrages.

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Bisher sind in unserer Reihe zum 9. Bundeskongress der Sozialen Arbeit erschienen:

Eröffnungsveranstaltung sowie allgemeine Informationen zum Bundeskongress

Impulsvortrag Stephan Lessenich: Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so

Hier nun der Vortrag von Prof. Dr. Bitzan:

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In der Mikroebene, im Bezug auf Lebenswelten und AdressatInnen, wird das Politische erkennbar. Konflikte zwischen allen AkteurInnen sind möglich, sie sind jedoch negativ besetzt. Aber alle Konflikte enthalten immer strukturelle Widersprüche. Nicht alle strukturellen Widersprüche sind Konflikte, sondern werden als Unbehagen oder Unstimmigkeit wahrgenommen. Diese wahrzunehmen heißt auch, gegen Bewegungen vorzugehen, die attraktive Glättungen vornehmen wollen. Der Vortrag ist in fünf Themenbereiche gegliedert.

1. wird auf die Konfliktperspektive eingegangen. Diese ist oft eng gefasst, in der Interaktion sieht mindestens eine AkteurIn eine Unvereinbarkeit. Hier ist aber auch eine gesellschaftliche, weite Fassung möglich. Es können z.B. gegensätzliche Interessen und nicht erfüllte Versprechungen thematisiert werden. Es gibt kollektivierbare Konflikte, die auf gesellschaftliche Strukturen hinweisen. Konflikte konstituieren also auch die Gesellschaft. Soziale Arbeit kann dabei eine produktive Haltung einnehmen: Konfliktinterpretationen machen bewusst, wie Gesellschaftsordnungen hergestellt und Veränderungen bewirkt werden. Dies deckt Widersprüche auf, welche in gesellschaftliche Diskussionen eingebracht werden können.

2. wird der Soziale Konflikt thematisiert: Gesellschaft ist eine Arena von Konflikten. Soziale Konflikte bestehen im ständigen Kampf um Anerkennung. Dies geschieht in drei Sphären, als Kampf zwischen Liebe und Körpergewalt; Recht und Entrechtung; Wertschätzung und Entwürdigung. In diesen Sphären erlebte Verletzungen führen zu negativen Gefühlen. Sind die Gefühle mit Erfahrungen von Kollektivität verbunden, kann Unrecht empfunden werden und Protest ausgelöst werden. Soziale Arbeit kann hier eine Rolle spielen. Soziale Konflikte verweisen auf Widersprüche, die normalerweise individualisiert wahrgenommen werden und in der konkreten Lebenswelt auftauchen.

3. thematisiert Prof. Dr. Bitzan das Soziale als Diskurse in Verhältnissen. Ambivalenz in der Lebenswelt kann als Dialektik von Verfügbarkeit und Gelingen wahrgenommen werden. Charakteristisch im Alttag ist die Erlebbarkeit der Widersprüche. Sozialstaatliche Rahmungen regulieren, wie Menschen leben sollen, wenn sie akzeptiert werden wollen. Bei Anerkennungskämpfen geht es darum, welche Bedürfnisse akzeptiert werden und wie diese befriedigt werden dürfen. Diese Entwicklung ist dynamisch. Soziales ist also nicht statisch. Es manifestiert sich in Konflikten und Bewältigungen, egal ob sozial anerkannt oder abgelehnt. Es legt eine Spur des Unbehagens, wie z.B. in Armut oder dem Umgang mit Geflüchteten.

Bezogen auf Geschlechterpolitik scheint es, als wären die Anforderungen der Frauenbewegung erfüllt. Anerkennungsgewinne für Frauen werden verzeichnet. Diese Konfliktlösungen haben jedoch Grenzen. Dies manifestiert sich in hierarchischen Ordnungen, Gewaltverhältnissen, Missachtung von Carearbeit und Individualisierungen von fehlgeschlagenen Lösungen.

Es gibt auch einen sozialpolitischen Verdeckungszusammenhang: Jenseits der Erwerbsarbeit wird jede Arbeit, wie Carearbeit, als selbstverständlich abgewertet. Bilder von starken Frauen können Leitbilder bieten, die Zumutungen für Frauen bedeuten. Scheitern oder Gelingen wird individualisiert. All diese Entdeckungen ergeben einen Verdeckungszusammenhang.

4. geht Frau Bitzan auf die Rolle der Sozialen Arbeit ein. In ihr wirkt auch der Verdeckungszusammenhang. Es erfolgt die Umwandlung von einer politischen zu einer pädagogischen bzw. sozialarbeiterischen Frage. Dies führt zu Zielgruppen, folglich wird nur ein Schwerpunktthema den AdressatInnen zugeschrieben. Konstruktion von Zielgruppen und Problematiken wird auch zur Aufgabe von SozialarbeiterInnen gemacht. Probleme werden als Mangel an Kompetenz der Personen und nicht als gesellschaftliches Problem wahrgenommen. Der Kampf um Anerkennung scheint sich auf diesem Weg in das Innere von Individuen zu verlagern, die Sphäre der Politik bleibt außen vor. Das Streben nach Selbstachtung hat keinen Bezugspunkt mehr. Der ökonomische Standpunkt in der Politik ist häufig der gewichtigste.

5. kann die Adressatenorientierung als Chance verstanden werden. Konflikte werden nicht nur im Rechtsrahmen, sondern auch in der konkreten Handlungsebene erlebt. Konfliktorientierte Arbeit wird häufig als unmodern und zu kompliziert dargestellt. Diese Konfliktorientierung ist jedoch produktiv:

Durch weniger Adressierungen als Konfliktreduktion werden Gewissheiten verlassen und Adressierungspraxen können reflektiert werden. Adressierungen reduzieren Konfliktpotentiale, sie konstruieren Gruppen zu einem bestimmten Zweck der Problembearbeitung. Es wird verallgemeinert, wie AdressatInnen seien, was sie könnten oder nicht könnten. Zuweisungen als Schüler können zB Erklärungsnot für schulischen Misserfolg bei dem Handeln des Individuums als Schüler verkürzen. Andere Rollen, auch die Rolle der BeobachterIn, werden außen vorgelassen. Auf der Klientenseite äußert sich die Adressierung durch Unbehagen, Schweigen oder gestische Ablehnung. Auf der professionellen Seite können Ungenauigkeit oder Paternalismus festgestellt werden, man meine es schließlich gut. Aber die Lebenswelt wird reduktionistisch wahrgenommen. Der Gegenvorschlag lautet daher, einen relationalen AdressatInnenbegriff zu verwenden, durch den für die AdressatInnen weitere Reaktionsmöglichkeiten geöffnet werden.

Das Soziale kann von der Lebenspraxis her gedacht werden, um Zugang zu erweiterten Erkenntnissen zu erlangen. Widersprüchliche Verhaltensweisen der AdressatInnen können als Erkenntnisfenster wahrgenommen werden. Also weniger Diagnosen, mehr ein Fallverstehen. Weder AdressatInnenseite noch die professionelle Seite soll alleingültig dastehen, sondern es sollte für einen Ausgleich der beiden Seiten gesorgt werden. Andere Rollen sollten also wahrgenommen werden. Dieses gemeinsame Herausfinden kann in offenen Zugangsmöglichkeiten geschehen.

Die Artikulation und Stärkung der AdressatInnenposition, also Artikulationschancen, sollten durch formalisierte Widerspruchsrechte ausgebaut werden. Betroffenheiten müssen thematisiert werden, nicht Zugehörigkeit zu einem Klientel wie „Frau“ oder „Jugendlicher“. Am Verhalten von Trägern und Institutionen sollte sich etwas ändern.

Konfliktorientierung wirkt also als politische Haltung gegen Standardisierungen, Reduzierungen und Personalisierungen.

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Service-Wohnen im Alter, auch bekannt als Betreutes Wohnen, ist vielfältig. Lesen Sie hier einen Überblick über verschiedene Formen des Service-Wohnens im Alter und konkrete Angebote in Schleswig-Holstein. Wollen Sie das Thema weiter vertiefen, bietet Ihnen die hier zitierte Ausarbeitung eine Untersuchung, wie in einem beispielhaften Hamburger Service-Wohnen ein Leben ohne soziale Desintegration gelingen kann.

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Konkrete innovative Wohnangebote finden Sie, nach Städten und Kreisen sortiert, auf den Seiten der schleswig-holsteinischen Koordinationsstelle (KiWa). 

An verschiedenen Orten in Schleswig-Holstein werden fachlich qualifizierte Wohnungsberatungsstellen aufgebaut und in Betrieb genommen. Mehr Informationen bietet Ihnen das Projekt Wohnlotsen.

Für einen inhaltlichen Einstieg hier nun das Kapitel 3.1 "Modelle des Service-Wohnens im Überblick" aus der Bachelor-Thesis "Service-Wohnen in der Amalie Sieveking-Stiftung. Chancen für ein Leben ohne soziale Desintegration im Alter":


Service-Wohnen ist in der Regel eine Kombination aus Wohnraum und Serviceleistungen für ältere Menschen. Unterschiede ergeben sich vor allem in Umfang und Art der Angebote. Nach Heike Nordmann werden sie in fünf Kategorien eingeteilt:

Wohnen mit Hausmeisterservice unterscheidet sich von einer normalen Wohnung dadurch, dass es eine HausmeisterIn im Haus gibt, die die BewohnerInnen bei praktischen und technischen Fragen betreut, wie z. B. die Wartung und Reinigung von Fluren und Gemeinschaftsräumen, dem Winterdienst und der Gartenpflege. (Vgl. Crößmann / Börner (2005): Neue Wohn- und Betreuungsformen im heimrechtlichen Kontext, S. 12.) Falls die BewohnerInnen darüber hinaus Hilfe brauchen, müssen sie sich an weitere Anbieter wenden. Die BewohnerInnen sind eigenständig und führen selbständig ihren Haushalt. Bei einer schweren Pflegebedürftigkeit müssen sie wahrscheinlich in eine Einrichtung umziehen, die größere Kapazitäten im Pflegebereich hat. (Vgl. Nordmann (2001): Betreutes Wohnen, S. 7.)

Im Wohnen mit Betreuungskraft und externen Serviceangeboten steht außer der HausmeisterIn eine weitere AnsprechpartnerIn zur Verfügung, die die BewohnerInnen bei sozialen Fragen berät und notwendige Hilfen wie z. B. Einkaufsdienste vermittelt. (Vgl. Crößmann / Börner (2005): Neue Wohn- und Betreuungsformen im heimrechtlichen Kontext, S. 12.) Sie kümmert sich um gemeinsame Veranstaltungen und sorgt für Kontakt zwischen den BewohnerInnen. Die älteren Menschen wohnen selbständig, nur bei Bedarf wird schnelle Hilfe vermittelt.

Ein direkter Kontakt mit Pflegediensten ist im Wohnen mit Pflegestützpunkt möglich. So haben die BewohnerInnen die Sicherheit, dass sie im Bedarfsfall problemlose pflegerische Hilfe erhalten. Die MitarbeiterInnen arbeiten oft rund um die Uhr als Ansprechpersonen. Diese Form des Service-Wohnens ist für SeniorInnen geeignet, die schon beim Einzug leicht pflegebedürftig sind.

Wohnen im Heimverbund findet in der Nachbarschaft eines Alten- oder Pflegeheimes des gleichen Trägers statt. Bei Bedarf können die BewohnerInnen alle Leistungen des benachbarten Heimes, wie Mahlzeiten, Spielsaal und Pflege in Anspruch nehmen. Diese Heime sind auch geeignet für Personen mit leichter oder zukünftiger Pflegebedürftigkeit. Wenn die Person über längere Zeit oder in größerem Umfang Pflege braucht, sollte sie in ein Pflegeheim umziehen.

Im Wohnen mit integrierter Pflege und Versorgung leben SeniorInnen, auf deren Wünsche hin das Angebot angepasst wird. Im Haus werden umfangreiche Möglichkeiten der Versorgung und Pflege angeboten, die jederzeit zur Verfügung stehen. Zu den Standardangeboten gehört ein Speisesaal, regelmäßige Wohnungsreinigung sowie Pflege bei Bedarf. Schwer pflegebedürftige BewohnerInnen können oft in einer zugehörigen Pflegestation versorgt werden. (Vgl. Nordmann (2001): Betreutes Wohnen, S. 6 – 9.)

Um Heike Nordmanns Kategorien zu ergänzen, soll in diesem Punkt das Modell des Service-Wohnens zu Hause vorgestellt werden: Dies ist eine Wohnform, in der die älteren Menschen in ihrer angestammten Wohnumgebung bleiben können. Sie schließen mit ambulanten Diensten, einer Sozialstation, einem Betreuungsverein oder einer Beratungsstelle einen Betreuungsvertrag und erhalten regelmäßig Betreuungsleistungen in ihrer Wohnung. (Vgl. Kremer-Preiß / Stolarz (2003): Leben und Wohnen im Alter, S. 55.)

Im folgenden Teil werden das Service-Wohnen und die dazu gehörigen Rahmenbedingungen beschrieben. Es soll deutlich gemacht werden, wie diese spezielle Wohnform in Verbindung mit Sozialer Arbeit als eine Möglichkeit für ein selbstbestimmtes Leben im Alter genutzt werden kann.

Sie können hier weiter lesen.

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Prof. Dr. Lessenich aus der Universität München lieferte mit seinem Vortrag „Doch die Verhältnisse, sie sind nicht so: Zwischenbetrachtungen im Prozess der Aktivierung“ einen guten Einstieg in die Thematik des diesjährigen Bundeskongresses der Sozialen Arbeit. Wir bieten Ihnen eine Zusammenfassung des Vortrages und einen Audiomitschnitt.

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Allgemeine Informationen zum Bundeskongress und mehr zu Eröffnungsreden können Sie in unserem Artikel der letzten Woche nachlesen.

Sie können hier die komplette Rede, aufgeteilt in 2 Teile, nachhören:

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Bitte beachten Sie, dass die folgende Zusammenfassung natürlich nicht die Tiefe der Rede erreicht.

Dass gesellschaftliche Umbrüche festgestellt werden, wirkt manchmal regelmäßig. Dennoch verändert der europäische Sozialstaat seit zwei Jahrzehnten sein Gesicht. Lebensumstände werden individualisiert, die globale Ökonomisierung ist vorangeschritten. Die politische Umformierung wird mit dem Schlagwort Aktivierung beschrieben. Schon Bill Clinton sagte: „We have to end welfare as a way of life“, 1996 wurde ein neues Bundesgesetz in den USA erlassen. Die zeitliche Begrenzung von sozialen Hilfen führte in Deutschland zu „fördern und fordern“. Der modernisierte Staat soll BürgerInnen zu marktkonformen Verhalten bringen, wie z.B. Investitionen in die eigene Zukunft, je nach finanziellen Möglichkeiten. Es zeigt die Wahrnehmung, dass Marktwirtschaft alles besser könne. Es gebe kein richtiges Leben abseits von Markt und Arbeit. SozialstaatsbürgerInnen werden damit zu potentiellen Akteuren auf dem Arbeitsmarkt.

Die Wende zur Aktivierung kommt mit der Individualisierung der Problemen einher. Selbstverantwortlichkeit, Selbststeuerung und Eigenvorsorge: Die Sorge um die eigene Wohlfahrt ist selbstverständlich geworden. Ein vermeintlich passiver Leistungsbezug soll durch Akteure ersetzt werden. Die Sozialpolitik drängt damit jedoch nicht auf die Veränderung der problematischen Verhältnisse sondern reduziert sie auf als problematisch wahrgenommene Verhaltensweise. Politisch alltägliche Begriffe wie „Flüchtlingskrise“, „Langzeitarbeitslose“ und „Wirtschaftsflüchtlinge“ machen dies deutlich.

Die Streitfrage lautet: Was ist sozial? Normativ, also dass Soziales nur gut sein kann, verstanden, scheint es unmöglich, dass es neoliberales Soziales gibt. Aber die Zuschreibung von Sozialem muss nicht einen guten Anteil haben. Denn die neosoziale Tendenz ökonomisiert den sozialen Sektor. Z.B. soll die Selbststeuerung in gesundheitlicher Versorgung oder Rentenvorsorge die Gesellschaft schonen. Auch die Formulierung der „Überalterung der Gesellschaft“ sollte hinterfragt werden.

Als Zwischenfazit lässt sich feststellen: Ohne eine soziale Agenda gibt es keinen gesellschaftlich akzeptierten Neoliberalismus.

Der realexistierende Neoliberalismus versucht, sich als angepasst und im Dienst der Allgemeinheit darzustellen. Ideologisch und institutionell muss das Bild der angeblich notwendigen selbstverantwortlichen BürgerInnen vermittelt werden.

Wir erleben eine sozialpolitische Transformation. Nach dem Ende des Kalten Krieges ist der Ausbau des Sozialen im Westen nicht mehr notwendig. Es ist der Beginn einer Verschiebung von öffentlicher zu privater Verantwortlichkeit. Die Aktivierung soll ein neues Wachstumsmodell implementieren, welches auf die Befreiung des Marktes und der Eigenverantwortung basiert.

Die Aktivierungspolitik ist jedoch auf Akteure angewiesen, die sie umsetzt, sie ist also nicht alternativlos. Ein Beispiel liefern Beiträge zur sogenannten Flüchtlingskrise. Eine als einwanderungsfreundlich getarnte Rede des Bundespräsidenten enthält die Aussage „Unser Herz ist weit, Möglichkeiten sind endlich.“ Es wird von „Hunderttausenden aus fremden Kulturen“ gesprochen und als unangemessen bezeichnete Verhaltensweisen erwähnt. Aber: Geflüchtete sind keine bloßen Objekte von Grenzregimen. Sie sind Herren und Herrinnen ihres Lebens und ihrer Lebensgeschichte.

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Bis zum 2.10. fand in Darmstadt der 9. Bundeskongress der Sozialen Arbeit statt. Er trug den Titel „Politik der Verhältnisse – Politik des Verhaltens: Widersprüche der Gestaltung Sozialer Arbeit“. Lesen Sie hier zunächst allgemeine Informationen zum Bundeskongress und eine Zusammenfassung der Auftaktveranstaltung vom 30.9.2015.

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In den folgenden Wochen werden wir weitere Beiträge verschiedener Fachleute und ProfessorInnen aus Sozialer Arbeit und Geragogik präsentieren. Die Beiträge bauen aufeinander auf. In diesem ersten Teil können Sie einen Überblick über die Thematik gewinnen. Im zweiten Teil präsentieren wir Ihnen demnächst Impulsvorträge, welche den Widerspruch „Politik der Verhältnisse – Politik des Verhaltens“ vertiefen. Sie können unsere Zusammenfassungen dieser Vorträge nachlesen und sie auch im Originalton nachhören. Im dritten Teil wird dieser Widerspruch in seniorenpolitischen Themen beleuchtet.

Einen Überblick über die Veranstaltungen bietet zunächst das Hauptprogramm des Kongresses. Sie können sich auch unsere bisher veröffentlichten Artikel zum Bundeskongress anschauen.


Eine inhaltliche Einführung liefert Prof. Dr. Johannes Stehr, Mitorganisator des Kongresses:

Grundannahme vieler Veranstaltungen ist, dass eine Politik der Verhältnisse von einer Politik des Verhaltens verdrängt wurde. Es werden also personalisierte Konzepte von Verhaltenssteuerung in den Vordergrund gedrängt, die tatsächlich schlechten Rahmenbedingungen finden in politischen Diskussionen kaum Beachtung.

Anschaulich ist dies zur Zeit am Beispiel von Geflüchteten. Nicht Ungleichheit und Herrschaft werden thematisiert, sondern es wird ausgegrenzt, es wird sogar in "gute" und "schlechte Flüchtlinge" unterschieden. Sogenannte schlechte Flüchtlinge werden als "Wirtschaftsflüchtlinge" definiert und damit ausgeschlossen.

Auf dem Bundeskongress werden z.B. zentrale Konzepte neoliberaler Politik hinterfragt, auch Bildungs-, Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen in der Sozialen Arbeit werden beleuchtet. Dazu sind die Veranstaltungen in vier Panels unterteilt.


Der Präsident der Hochschule Darmstadt, Prof. Dr. Ralph Stengler, wies in seiner Rede vor allem auf die verstärkten gesellschaftlichen Gegensätze in der Verteilung von Armut und Reichtum hin. Sozial ArbeiterInnen erfahren die gesellschaftliche Auswirkungen dieser Gegensätze direkt und unmittelbar, wie z.B. Arbeitslosigkeit, Armut, Ausgrenzung und Krankheit. Soziale Arbeit ist eine reflektierende Disziplin. Durch sie kann festgestellt werden, dass aus strukturellen Problemen individuelle Probleme gemacht werden. Der Fachbereich Soziale Arbeit der Hochschule Darmstadt hat Forschungsstärke und einen hohen Reflexionsgrad. Auch die übrigen MitarbeiterInnen und Studierenden der Hochschule profitieren vom Know-How des Fachbereiches.


Die Präsidentin der Evangelischen Hochschule Darmstadt, Prof. Dr. Marion Großklaus-Seidel, stellte fest, dass sich die Anzahl von älteren Menschen in der Gesellschaft weiter erhöhen wird, eine menschenwürdige Versorgung muss also gewährleistet werden. Aber nicht nur Ältere, auch viele andere Menschen sind von Ausgrenzung bedroht. Es ist daher Teilhabe und eine Kultur des Sozialen notwendig.


Jochen Partsch (Bündnis 90 / Grüne, Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt) weist auf eine notwendige Stärkung der Lebensverhältnisse in den Quartieren und die wichtige Rolle der Wissenschaft und Praxis der Sozialen Arbeit dabei hin. Ausgrenzungsprozessen muss widerstanden werden.

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